Was ich mit 15 Jahren in Litauen entdeckte

Eine Reise, die mein Leben veränderte

Ich war gerade einmal 15 Jahre alt, als ich an einem Erasmus+-Jugendaustausch in Litauen teilnahm. Damals fühlte es sich wie ein einmaliges Abenteuer an – es war das erste Mal, dass ich Portugal verließ, und ich war zugleich nervös und aufgeregt, was mich dort draußen erwarten würde. Damals war mir noch nicht klar, wie sehr diese Erfahrung meine Sicht auf andere Kulturen – und auf mich selbst – verändern würde.

Dilan Capinha

Reisen bedeutet nicht, wie weit du gehst – sondern wie tief du dich einlässt.

Heute bin ich ehrenamtlich im Programm Travel Different for Future (TDFF) aktiv. Es geht darum junge Menschen für nachhaltiges, verantwortungsvolles und kulturell bereicherndes Reisen zu sensibilisieren. Durch Workshops, Storytelling und digitale Kommunikation befähigt TDFF junge Menschen, ihre Stimme und Kreativität zu nutzen, um Veränderungen in der Art und Weise, wie wir reisen, anzustoßen.

Für mich war diese Woche in Litauen der erste Schritt auf einer Reise des bewussten und sinnvollen Reisens – eine Form des Reisens, die uns mit lokalen Gemeinschaften verbindet, Traditionen respektiert und unser Bewusstsein für unseren Einfluss auf den Planeten schärft. Mit dem Teilen meiner Erfahrungen möchte ich andere dazu ermutigen an Projekten wie TDFF teilzunehmen und dabei zu entdecken, wie Freiwilligenarbeit in Kombination mit Reisen zu einer besseren Zukunft beitragen kann.

Kultur erleben, nicht nur beobachten

Was die Erfahrung so besonders machte, war, wie tief wir in die litauische Lebensweise eintauchten. Wir waren nicht einfach nur Touristen. Wir wurden in eine Gemeinschaft aufgenommen, die ihre Traditionen, ihr Essen und ihre Geschichten mit uns teilen wollte.

Wir tanzten traditionelle Volkstänze, probierten Gerichte, von denen ich vorher noch nie gehört hatte – wie zum Beispiel Cepelinai –, erkundeten die Natur und historische Orte, die für die Einheimischen von Bedeutung sind. Am meisten beeindruckte mich der Stolz, den die Litauer auf ihr kulturelles Erbe haben. Das brachte mich zum Nachdenken: „Wie gut kenne ich eigentlich die Traditionen meines eigenen Landes?“

Diese Erfahrung zeigte mir: Man muss nicht immer weit reisen, um etwas Neues zu entdecken. Auch die eigene Kultur, lokale Traditionen und Orte in der Nähe können spannend und bedeutungsvoll sein. Deshalb lade ich dich ein, dich selbst zu fragen: Wie gut kennst du das kulturelle Erbe deines eigenen Landes und die Geschichten, die es erzählt?

Meine Identität teilen

Einer der wertvollsten Teile des Erasmus+-Austauschs war die Möglichkeit, meine eigene Kultur vorzustellen. Anfangs war das einschüchternd. Wie sollte ich meine Identität in wenigen Minuten erklären? Doch die Neugier und der Respekt der anderen Teilnehmer*innen machten es mir leichter.

Dieser Moment ließ mich verstehen, dass kultureller Austausch in beide Richtungen funktioniert. Es geht nicht nur ums Lernen – sondern auch ums Lehren. Wenn wir reisen, sind wir nicht nur Gäste, sondern auch Botschafter*innen unserer eigenen Gemeinschaften.

Das passt perfekt zur Philosophie von TDFF, das Reisen als Werkzeug versteht, um interkulturelles Verständnis, gegenseitigen Respekt und Empathie zu fördern. Indem wir teilen, wer wir sind, und gleichzeitig anderen zuhören, bauen wir bewusste und bedeutsame Verbindungen auf. Solche Austausche beweisen, dass Reisen über den Tourismus hinausgehen kann – es kann Brücken bauen, Vorurteile abbauen und uns dazu inspirieren, verantwortungsbewusster zu handeln. Kultureller Austausch ist somit nicht nur persönliches Wachstum, sondern auch ein Beitrag zu einer inklusiveren und stärker vernetzten Welt.

Ein erster Eindruck von verantwortungsbewusstem Reisen

Mit 15 dachte ich nicht viel über Nachhaltigkeit oder verantwortungsvollen Tourismus nach – und doch lernten wir, die Umwelt vor Ort zu respektieren, Ressourcen bewusster zu nutzen, uns nicht wie typische Touristen zu verhalten und – am wichtigsten – als Gruppe mit gemeinsamen Werten zu handeln.
Heute, als Teil des TDFF-Programms, in dem nachhaltiger Tourismus ein zentrales Thema ist, verstehe ich, dass meine Erasmus-Erfahrung in Litauen der Beginn einer bewussteren Art zu reisen war – eine, die von Neugier, Respekt und kulturellem Bewusstsein geprägt ist.

Rückblickend sehe ich, wie sehr mich diese frühen Auslandserfahrungen geprägt haben und wie ich mich heute als Freiwillige in diesem Projekt einbringen kann. Durch Workshops, Blogartikel und Social-Media-Inhalte versuche ich, die Werte der Nachhaltigkeit zu teilen, die ich erstmals in Litauen entdeckt habe. Es geht nicht nur darum, anders zu reisen – sondern auch darum, andere dazu zu inspirieren, ihr eigenes Reiseverhalten zu überdenken.

Porträt eines jungen Teilnehmers eines Erasmus+-Jugendaustauschs, der über kulturellen Austausch und bewusstes Reisen berichtet.

Warum diese Erfahrung immer noch zählt

An diesem Austausch teilzunehmen hat mich nicht nur zu einem bewussteren Reisenden gemacht – es hat mich zu einem besseren Menschen gemacht und mich motiviert, Teil von etwas Größerem zu werden. So wie das TDFF-Programm, das sich um die Zukunft und kommende Generationen kümmert. Es öffnete mir die Augen für die Vielfalt anderer Kulturen, für die Bedeutung von Neugier und für die Notwendigkeit von Empathie. Ich erkannte: Reisen geht nicht nur um Orte – es geht um Menschen, Perspektiven und Verbindungen.

Je älter ich werde, desto mehr bin ich mir der ökologischen und sozialen Auswirkungen des Reisens bewusst. Ich liebe es noch immer, neue Orte zu entdecken – aber ich tue es mit mehr Achtsamkeit und Verantwortungsgefühl.

Reise anders – auch schon in jungen Jahren

Meine Erasmus-Erfahrung in Litauen hat mir eine kraftvolle Erkenntnis vermittelt: Man muss keine Erwachsener sein, um die Welt mit anderen Augen zu sehen. Schon mit 15 konnte ich spüren, wie wichtig es ist, zuzuhören, zu lernen – und zu respektieren.

Heute, als Teil eines Projekts, das nachhaltiges Reisen fördert, weiß ich: Diese Werte sind wichtiger denn je. Deshalb ist meine Botschaft an alle, die über einen Jugendaustausch nachdenken: Mach mit! Sag ja! Sei neugierig! Und besuche nicht nur – knüpfe Verbindungen!

Reisen bedeutet nicht, wie weit du gehst – sondern wie tief du dich einlässt.